
Der Beruf des Logopäden ist in Deutschland seit dem Inkrafttreten des Logopädiegesetzes (LogopG) im Oktober 1980 gesetzlich geschützt, was ihn zu einem eigenständigen Beruf macht, der eine geregelte Ausbildung erfordert. Obwohl die Wurzeln der Sprachheilkunde weit zurückreichen und der Begriff bereits 1913 verwendet wurde, markiert das Gesetz von 1980 den offiziellen Beginn des Berufs mit einheitlichen Ausbildungsstandards in Deutschland. Schon in der Antike beschäftigte man sich mit Sprachstörungen, aber erst ab dem 19.Jahrhundert gewann das Fach wissenschaftliche Bedeutung. Ärztlich verordnet wird die Logopädie als „Sprach-, Sprech-, Stimm- oder Schlucktherapie“. Denn genau darum geht es. Diese vier „großen S- Begriffe“ bilden die Überschrift über alle Teilbereiche, die ich Ihnen im Folgenden vorstellen möchte.
Die vier „großen S-Begriffe“
Sprache
Sprache umfasst die Fähigkeiten unseres Gehirns, Wörter und Grammatik zu verstehen und selbst Sprache zu produzieren. Sprachstörungen entstehen, wenn diese Prozesse beeinträchtigt sind – etwa als Entwicklungsverzögerung bei Kindern oder nach neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Demenz.
Man unterscheidet:
Expressive Sprache: aktive Sprachproduktion
Rezeptive Sprache: Sprachverständnis
Sprechen
Sprechen ist die gezielte motorische Ausführung der zuvor im Gehirn geplanten Sprache. Dafür müssen Zunge, Lippen, Gaumen, Stimmlippen und Atmung präzise zusammenarbeiten.
Bei Kindern kann die Aussprache einzelner Laute verzögert oder fehlerhaft sein – häufig betrifft das SCH, S, R, K und G.
Neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Chorea Huntington oder ALS können die Steuerung der Sprechwerkzeuge beeinträchtigen, sodass die Aussprache undeutlich wird. Auch Redeflussstörungen wie Stottern gehören zu diesem Bereich.
Stimme
Die Symptomatik einer Stimmstörung kann vielfältig sein, z. B. in Form dauerhafter Heiserkeit oder einer permanent erhöhten mittleren Sprechstimmlage. Gründe dafür liegen im organischen – etwa nach einer Verletzung der Stimmbandnerven nach einer Schilddrüsen-OP oder nach Tumorentfernung – oder im funktionellen Bereich. Letzteres bedeutet zumeist den über einen längeren Zeitraum falschen Gebrauch der Stimme in Form einer Gewohnheit zu hoch und zu undosiert laut zu sprechen. Eine häufige Erscheinung, die vor allem in sprechintensiven Berufen wie Lehrkräften, Erziehungspersonal oder auch freien Rednern auftreten kann.
Schlucken
Schlucken ist ein wichtiger Teil der logopädischen Therapie. Eine häufige Problematik ist die falsche Zungenfunktion oder falsche Zungenruhelage, die vor allem bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kieferorthopädische Auswirkungen haben kann. Drückt die Zunge beim Schlucken dauerhaft gegen die Frontzähne, können Kieferfehlstellungen entstehen.
Davon abzugrenzen ist die Dysphagie, also eine neurologisch bedingte Schluckstörung. Durch gestörte Abläufe im Gehirn funktioniert das Zusammenspiel der Schluckorgane nicht mehr zuverlässig. Es kommt zu Verschlucken, Einschränkungen der Lebensqualität und im schlimmsten Fall zum Eindringen von Nahrung in die Lunge.
